Noch ohne einen Marathon im neuen Jahr in den Beinen freute ich mich auf meine 3. Teilnahme im Alten Elbtunnel. Allerdings kam ich ab Mitte der Woche doch sehr ins Zweifeln, ob ich überhaupt starten könnte angesichts der – huch, wo kam s‘e bloß her? – plötzlich in mir wütenden Erkältung mit Kopf- und Halsschmerzen. Hörte man doch gerade zur Zeit wieder einige üble Nachrichten über verschleppte Infekte und Herzmuskelentzündungen [hierzu würde ich mich über Kommentare und Tipps, wie Ihr, liebe Leser, damit umgeht, freuen...].
Ich beschloss, die Sache auf mich zukommen zu lassen und plante auf jeden Fall die Fahrt nach HH, da ich ja versprochen hatte, einen Kuchen mitzubringen.
Also brach ich – durchs Backen leicht verspätet – Richtung HH/Steinwerder auf. Gut das frau Navi im Auto hat und auch nochmal am Vortag auf einem Falck-Plan Rat gesucht hatte… (Bei meinen letzten beiden Teilnahmen war ich nur Beifahrer bei Helmut Jung bzw. Arne Franck gewesen und hatte nicht sonderlich gut auf den Weg geachtet). Tja, und es kam wie es kommen musste, irgendwo „verfranzte“ ich mich hoffnungslos zwischen Walthershof und Finkenwerder (???) und die Tante im Kofferraum (Chantal Navigation) wollte mich immer nach Altona lotsen… Die Navi zeigte inzwischen eine Ankunftszeit von 11.15 h an, was ich dann als Wink des Schicksals deutete, nicht laufen zu sollen… Doch noch gab ich nicht auf. Nach zwei vergeblichen Versuchen, nach dem Weg zu fragen (die wohl russische Busfahrerin eines HH-Stadtbusses hatte keinen blassen Schimmer, und auch ein weiterer, einsamer Autofahrer meinte nur: auf jeden Fall müssen Sie über die Köhlbrandbrücke (na toll, das wusste ich schon, aber nicht, wie ich da rauf kam!). Schließlich traf ich auf eine Polizeistreife, die doch etwas ortskundiger war, und so kam der Kirschkuchen denn doch noch in guter Zeit, will heißen ca. 20 min. vor dem Start in der Röhre an. Blieb nur noch die Frage: laufen oder nicht laufen?
Da Doris Sagasser auch vorsichtig laufen wollte, (sie musste seit Mitte Dezember pausieren) beschlossen wir, einfach mal ganz gemütlich los zu laufen. Schließlich hatten wir uns ja auch lange nicht gesehen und, wie das halt so ist, auch genügend zu erzählen… Was ja auch gleich wieder auffiel, in jeder Runde rief uns ein „Kollege“ mit Trikot-Aufschrift „MTV Kronberg“ schon von hinten zu: „Ihr beide seid ja immer noch am Quasseln…“ (Mann, so kontrollieren wir doch unsere Geschwindigkeit!). Überhaupt hatte die ganze Atmosphäre etwas von der Rush-Hour in der Hamburger U-Bahn. Viele hasteten an uns vorbei, als müssten sie die letzte Bahn noch erwischen, während Doris und ich uns doch eher auf einer Sight-Seeing-Tour mit „Public-Viewing“ wähnten…

Doris (# 67) & Claudia (# 190)
Es gibt selbst in einem Tunnel wie dem Elbtunnel so viel Interessantes und Amüsantes zu sehen und zu hören, keiner kann behaupten, dass diese Streckenrunde von nicht einmal einem Kilometer eintönig ist (außer, man hat den Tunnelblick!)! Um alle bemerkenswerten Vorfälle zu erwähnen bräuchte man erstens ein besseres Gedächtnis und vielleicht auch ein anderes Schreibformat, aber einige möchte ich doch hier aufgreifen.
Da wäre zum Beispiel Helmut Braun, der eine sehr merkwürdige Schnur am Körper baumeln hatte (hoffte er auf Fische bei Wassereinbruch?). Auf meine Rückfrage meinte er aber, das sei sein Campingcomputer [Korrektur des Blogmasters: gemeint war ein "Tampencomputer"! Helmut ist nämlich nicht nur Psychiater, sondern auch Segler!], mit dem er die Runden zählte…
Michael Nielsen aus DK, der ebenfalls am Zweifeln war, ob das denn mit dem Rundenzählen klappen würde , war sich mit mir einig, dass wir einfach laufen müssten, Enno würde uns schon sagen, wenn es Zeit wäre aufzuhören. Wobei wir dann meinten, gesetzt den Fall, wir würden die 6-Stunden-Grenze überschreiten, sollten wir das als Zeichen dafür nehmen, dass wir zu weit gelaufen wären.
Fische sahen wir zwar keine im Tunnel, dafür hoppelte doch tatsächlich ein rosa Kaninchen den Gang rauf und runter begleitet von einer ebenfalls rosa gekleideten Läuferin (Team Barbie & Ken?) – ja war denn schon Ostern, oder machte sich der Hase jetzt schon fit für die Saison?
Anfangs war da auch noch Redakteur Arne, der fleißig fotografierte und meinte, ob ich einen Bericht schreiben würde, dann könnte er die Bilder dazu liefern, doch irgendwann entfleuchte er dann, um seine Runden in der Holstentherme - also nicht unterm sonder im Wasser – zu drehen bevor eine verstärkte Kalorienaufnahme beim 75. Geburtstag von seinem Papa auf dem Programm stand.
Immer noch Doris & Claudia
Ein Läufer sprach mich beim Überholen an, er läse immer meine Berichte. So sah er die „rasende“ (shut up, Arne!) Reporterin Karla Kolumna mal in Action!
Unermüdlich moderierte Enno in der Weströhre und unterhielt die Zuschauer, die mitunter zwar sehr verfroren aussahen aber dennoch ´in gewohnter Weise super durchgehalten und motiviert haben! In der Oströhre hielt ein Spitzenteam u.a. mit Gunla und Sonya die Stellung und umsorgte alle Läufer mit vielen Köstlichkeiten in flüssiger und fester Form. Fast hatte man ein schlechtes Gewissen, wenn man mal nicht zugegriffen hatte!
Ein sehr ungewöhnliches Erlebnis für mich war auch, dass ich Ole Sporleder, den ich sonst eigentlich immer nur vorbei fliegen sehe, zwei oder drei Runden abnehmen konnte (von den vielen, die er mir voraus hatte), da er auf Grund von orthopädischen Problemen tatsächlich ging und nicht lief! So konnte man doch wenigstens mal ein paar Worte wechseln !
Etwas wortkarg war Werni Burmeister – die Erklärung lieferte mir sein Ergebnis – 3:46 h – super, Werner, da war wohl keine Zeit zum Schnacken!
Zurück zu meinem Lauf. Irgendwann hatten Doris und ich uns dann doch soweit alles erzählt und so lief jede für sich. Ich schmiss meinen I-Pod an und stellte fest, dass ich nunmehr vielleicht doch mal die Weihnachtslieder aus der “Playlist“ nehmen sollte… und zog recht gleichmäßig meine Runden.
Und irgendwann schlug dann auch für mich die Stunde: Enno läutete meine letzte Runde ein, die um so schöner endete, als mein Sohnemann Nick (5) mich auf den letzten 50 Metern ins Ziel begleitete. (Falls jemand das zufällig fotografiert haben sollte, würde ich mich sehr freuen!).
Und mit 4:35:54 h hatte ich dann doch noch mein „kleines Dienstjubiläum“, sprich: meinen 50. Marathon „im Kasten“ – und sogar mit der weitaus besten Zeit für mich bisher im Elbtunnel!
Im Ziel erfuhr ich dann kurz darauf, dass auch Christine Schröder ihren 50. Marathon gelaufen war (nochmals herzlichen Glückwunsch, Christine!), so hatten wir doch wenigstens gemeinsam schon mal die 100 geschafft!
Natürlich stand jetzt noch eine Stärkung bei Rita, Lothar und ihrem Team auf der Liste - hier gab es leckere Erbsensuppe, Würstchen, Kuchen, und vieles mehr - und noch ein gemütliches Weilchen mit dem einen oder anderen Schwätzchen (übrigens auch mit einer Läuferin aus dem Badensischen, die extra wegen dem Elbtunnel-Marathon gekommen war und noch mit der Bahn nach Offenburg zurück musste).
Mit 3 Urkunden (von insgesamt 3 Läufen), Medaille, T-Shirt (Größe S noch riesig!!!) sowie einem ratzeputz leeren Backblech trat ich dann die Heimfahrt an.
Unbedingt noch erwähnenswert: eine traumhafte Abendstimmung über dem Hafenbereich und ein umwerfender Blick von der Köhlbrandbrücke (war mir im morgendlichen Stress entgangen), was den schönen Lauftag perfekt abrundete!
Vielen Dank den Organisatoren und allen Helfern!